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Samstag,
29. Dezember 2004
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Interessantes und Kurioses rund um den Sparkassen-Cup
Wie der Vater so der Sohn. Patriz Ilg war zusammen
mit dem 800 Meter Läufer Willi Wühlbeck der erste deutsche
Weltmeister überhaupt. 1983 holte sich der Mann aus Hüttlingen
den Titel über 3000 Meter Hindernis. Knapp 22 Jahre später
steht sein Sohn Manuel auf der Bahn. Der junge Mann vom Jahrgang
1987 - er war also noch nicht einmal auf der Welt, als sein Vater
WM-Gold holte - startet beim Sparkassen-Cup zum ersten Mal in einem
internationalen Feld. Allerdings liebt er es eindeutig kürzer
als Ilg senior. Manuel Ilg bevorzugt den Langsprint. 400 Meter reichen
ihm. Auch auf Hindernisse verzichtet der 17-Jährige, der gerade
beginnt, sich erste Lorbeeren zu verdienen. Wenn er seinem Vater
nachschlägt, wird in Zukunft allerdings einiges fällig
sein. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Tobias Unger mag es noch kürzer als Manuel
Ilg. 100 und 200 Meter sind seine Strecken. Vor allem auf letzterer
ist der Mann im Trikot des LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg
außerordentlich erfolgreich, schaffte bei den Olympischen
Spielen in Athen als einziger Weißer den Sprung ins Finale
und wurde Siebter. Doch sein Trainer Micky Corucle hat noch andere
Dinge mit ihm vor. Unger soll sein Glück gelegentlich mal auf
den 400 Metern versuchen. Und seinem symphatischen Schützling
schwant Schlimmes. "Bisher konnte ich mich erfolgreich dagegen
wehren, aber wer weiß wie lange noch", hat er kürzlich
bei einer Pressekonferenz gesagt. Er solls ruhig probieren. Corucle
hatte schon immer ein gutes Näschen....
Apropos Micky Corucle. Fast 13 Jahre betreut der
gebürtige Rumäne seinen Schützling inzwischen, baute
ihn behutsam auf, führte ihn über 200 Meter in die Weltklasse
und ins olympische Finale. Der Familienvater weiß genau was
er mit Tobias Unger machen muss, damit der den Turbo einschalten
kann. Für seine Verdienste wurde der 43-Jährige knapp
eine Woche vor dem Sparkassen-Cup nun selbst geehrt. Corucle erhielt
vom Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) eine Auszeichnung
und wurde zum Trainer des Jahres gekürt. 1000 Euro gab es obendrein
noch als Belohnung. "Ich freue mich über die Anerkennung.
Das ist eine Entschädigung für die vielen Stunden, die
ich auf dem Sportplatz verbringe", freute sich der Trainer
von Deutschlands Sprinterstar vor wenigen Tagen und verschwand -
in die Sporthalle zu seinen Schützlingen........
Ein gutes Händchen bewies der Meeting-Direktor des Sparkassen-Cups,
Fredy Schäfer. Er verpflichtete die beiden ukrainischen
Stabhochspringer Denis Yurtschenko und Ruslan Yermenko
für den Wettbewerb in der Schleyerhalle. Beide sprangen wenige
Tage vor ihrem Start in Stuttgart noch in Cottbus. Dabei gab das
Duo eine ausgezeichnete Figur ab. Mit 5,80 Meter überquerte
Yurtschenko eine Höhe, die in diesem Jahr weltweit noch keiner
geschafft hat. Sein Landsmann blieb auch nur fünf Zentimeter
darunter. Ein Anreiz für die deutschen Springer, die geballt
auftreten. Björn Otto - für den Cottbus auch ein gutes
Pflaster war, der Mann aus Uerdingen/Dormagen übersprang mit
5,70 Meter die Norm für die Hallen-EM in Madrid -, Lars Börgeling
(Leverkusen), Tim Lobinger (Köln), Richard Spiegelburg, Danny
Ecker (beide Leverkusen) und Lokalmatador Fabian Schulze (Kornwestheim/Ludwigsburg)
werden versuchen, die Ukrainer ein wenig zu ärgern und gleichzeitig
ebenfalls die 5,70 Meter anzupeilen. Wer hat, der hat....
Fredy Schäfer ist Absagen gewohnt und muss
immer wieder damit rechnen, dass Athleten, die angekündigt
worden sind, kurzfristig abspringen - auf Grund unterschiedlichster
Ursachen. Der Kenianer William Yampoi, der beim
Sparkassen-Cup eigentlich den Weltrekord über 1000 Meter im
Visir hatte, hat wirklich dramatische Gründe für sein
Nichterscheinen. Im Süden Kenias herrschen Bürger- und
Stammeskriege. Die Kipsigi haben die Masai überfallen, deren
Stamm Yampoi angehört. Damit seine Familie aus der Schußlinie
der Unruhen gerät, hat der junge Läufer den Clan nach
Nairobi in Sicherheit gebracht. Anstatt Stuttgart landete er in
Nairobi. Das Laufen gerät in solchen Momenten nun wirklich
in den Hintergrund.
Der Sparkassen-Cup war neben dem Schauplatz von Weltklasseathleten
schon immer ein gutes Pflaster für Nachwuchstalente
aus dem Land. Die Schleyerhalle bietet nicht nur für
Schulstaffeln ein gutes Forum, der eine oder andere hoffnungsvolle
Athlet, darf schon auch mal in den selben Startblock, wie wenige
Minuten zuvor die Olympiasieger und Weltmeister. Der U23-Vize-Europameister
mit der 4 x 400 Meter Staffel, Steffen Sattelmaier vom VfL Sindelfingen,
hat auch mal klein angefangen. "Ich bin schon vor vielen Jahren
hier mit meiner Schulklasse eine Pendelstaffel gelaufen", erinnert
er sich. Diesmal sitzt er auf der Bahn neben Leonard Byrd aus den
USA, den Weltjahresbesten von 2002. So ändern sich die Zeiten....
Eine kuriose Absage brachte Stabhochspringer Jeff Hartwig,
Fredy Schäfer aufs Tablett. Der Mann aus den USA, der im Freien
schon 6,03 Meter überquerte und in der Halle auch nur einen
Zentimeter weniger seine Bestleistung nennt, fühlt sich unfähig
im Moment seine sportlichen Aktivitäten im üblichen Maße
zu verfolgen. Der neue Erdenbürger läßt offensichtlich
im Moment für seinen Vater keinen geregelten Tagesablauf zu.
"Ich habe ein Kind bekommen und bin im Moment von dem unendlichen
Geschrei ziemlich genervt", ließ Mimose Hartwig dem Meeting
Direktor Schäfer ausrichten. Der 37-jährige Weltklassespringer
fühlt sich noch nicht in der Lage nach der Geburt gegen seine
Konkurrenten zu bestehen. Sowas. Und die Welt dachte doch bisher
tatsächlich, das Frauen fürs Kinderkriegen zuständig
sind.....
Ursula Kaiser
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