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Dienstag,
14. Dezember 2004
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Fabian Schulze
Fabian Schulze durchlebt derzeit stressige Tage. Der Stabhochspringer steckt
mitten in seinen Prüfungsvorbereitungen zum Industrie-Elektroniker.
Anfang Februar wird der junge Mann vom LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg
seine Ausbildung beenden und hofft auf Höhenflüge mit
freiem Kopf. Denn Fabian Schulze fährt zweigleisig, versucht
Beruf und Sport zu verbinden.
Doch künftig will er sich mehr auf den Sport konzentrieren.
Noch schwankt er zwischen dem Wunsch eine 50- Prozent-Stelle zu
bekommen oder in der Sportfördergruppe der Bundeswehr unterzukommen.
Und trotz der Anspannung kam für den Dritten der Junioren-EM
von 2003 ein Verzicht der Hallensaison nicht in Frage, zumal er
sich inzwischen ein Niveau angeeignet hat, dass ihm attraktive Startmöglichkeiten
gewährt. Auch in Stuttgart beim Sparkassencup will der Deutsche
Juniorenmeister mit von der Partie sein. Außerdem: Es gibt
Schlimmeres. Schulze ist Doppelbelastung gewohnt - und läßt
sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Schließlich hat
er während seiner Ausbildung Tag für Tag acht Stunden
gearbeitet - und wenn seine Arbeitskollegen Feierabend machten und
die Füße hochlegten, ist er in die Sporthalle zum Training
gefahren und widmete sich ausgiebig dem Stabhochsprung. Dennoch
schaffte er mit 20 Jahren bereits große Sprünge. Hörte
er 2003 mit 5,45 Meter auf, standen 2004 5,70 Meter zu Buche. Das
sind Welten.
Der junge Mann geht seinen Weg konsequent und lässt sich nicht
aufhalten. Seine Stärke ist die Ausgeglichenheit. "Ich
bin nicht der Beweglichste in meiner Trainingsgruppe", sagt
Fabian Schulze über sich selbst. Aber er hat Eigenschaften,
die ein Stabhochspringer in sich vereinigen sollte: Mut, Ehrgeiz,
Sprungkraft und Willenskraft. Diese Attribute halten ihn oft davon
ab, zu resignieren. Denn der junge Springer leidet an einer chronischen
Darmkrankheit, fühlt sich an manchen Tagen nicht sonderlich
gut. Doch wird er auch damit fertig. Der Kornwestheimer Athlet gilt
als ruhiger, bescheidener Typ, der weiß, was er will. In diesem
Jahr träumt er von einer Medaille bei der U23 EM im Sommer
in Erfurt. Ansonsten will der 20-Jährige möglichst viel
internationale Erfahrung sammeln - und gegen die WM in Helsinki
hätte er auch nichts einzuwenden. Der Kampf um die Tickets
wird hart. Es gibt fünf, sechs, vielleicht sieben Anwärter
für drei Fahrkarten. Fabian Schulze ist einer davon.
In seiner Familie wurde Sport schon immer groß geschrieben,
aber im Stabhochsprung ist Fabian Schulze Pionier. Seine Mutter
spielte Faustball, sein Vater Günther war mal Abteilungsleiter
in seinem ehemaligen Verein Echterdingen - der Ort der den Stuttgarter
Flughafen beherrbergt. Doch die Leidenschaft von Schulze senior
ging in eine ganz andere Richtung: er gehörte den Bundesliga-Wasserballern
von Esslingen an, die heute noch vier Nationalspieler haben - drei
davon waren in Athen bei den Olympischen Spielen. Die hat Fabian
Schulze ganz knapp verpasst.
Dabei war es gar nicht so abwegig, dass der 20-jährige vom
LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg seinem Vater nacheifern
würde. "Ich bin ein Schwimmertyp", sagt der 1,91
Meter große Sportler, der für seine Lieblingsgerichte:
Pizza, Lasagne oder Ente süß-sauer alles stehen und liegen
lässt. "Wenn ich in Esslingen aufgewachsen wäre,
wäre ich sicher auch beim Wasserball gelandet", vermutet
er. So gesehen war ein Wohnortwechsel dafür verantwortlich,
dass er nicht im Wasser, sondern - zumindest gelegentlich - in der
Luft landete. Der angehende Industrie-Elektroniker hat außerdem
eine musikalische Ader, spielt gerne Gitarre. "Früher
war ich sogar in der Schulband", sagt der blonde Stabhochspringer
und grinst. Im Internet surfen, sich mit Freunden treffen oder Skifahren
mag er neben seinem Sport besonders gerne. Handball und Basketball
begeistert ihn ebenfalls. Doch die meiste Zeit - neben der Ausbildung
- verbringt Fabian Schulze zusammen mit seinem Landestrainder Ivan
Macura-Böhm damit, zu trainieren und an seiner Disziplin zu
feilen.
Inzwischen ist er längst in die Phalanx der "gestandenen
deutschen Springer" eingebrochen. Mit zweimal 5,70 Meter im
vergangenen Jahr - in Karlsruhe und in Linz - hat er schon mal an
die Schwelle der Weltklasse geklopft. Und Schulzes Kollegen hierzulande
wissen genau, was ihnen blühen kann - seitens des jungen Kerls.
Tim Lobinger, Richard Spiegelburg oder Lars Börgeling bekommen
schon lange keine großen Augen mehr, angesichts der Höhenflüge
von Fabian Schulze. "Mit ihm muss man rechnen!", hatte
Hallen-Weltmeister Lobinger schon im letzten Jahr geahnt. Und der
blonde Schwabe ist sicher noch lange nicht am Ende seiner Litanei.
Ursula Kaiser
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