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Freitag, 28. Dezember 2004 zurück

Jungspunde sind beim Sparkassen-Cup auf dem Vormarsch - und wollen alten Hasen Beine machen

Es ist Zeit für eine neue Generation in der deutschen Leichtathletik. Dies deutet sich auch beim Sparkassen-Cup in Stuttgart an. Das Motto: die flotten 80er kommen. Gemeint sind damit die jungen Athleten, die in den 80er Jahren geboren wurden. Und die Twens wollen den gestandenen Sportlern aus Russland oder den USA Beine machen. Im Sprint - ausgerechnet einem jahrelangen Sorgenkind in Deutschland, ist dies schon ausgezeichnet gelungen. Mit Namen wie den Olympiasiebten Tobias Unger, der als Lokalmatador in den Startblock steigt und für das LAZ Salamander Kornwestheim läuft, Sebastian Ernst (Schalke) oder Till Helmke (Friedberg/Fauerbach) ist dies schon ganz gut gelungen.

Auch der 20-jährige Marius Broening aus Tübingen - im letzten Jahr mit 19 Jahren Deutscher Vizemeister über 100 Meter und Startläufer in der 4 x 100 Meter Staffel, die in Madrid in 38,30 Sekunden eine sensationelle Zeit lief. Mit dieser Leistung schrammte das DLV-Quartett nur um eine Hunderstel Sekunde am Deutschen Rekord vorbei. Dass er in Athen nur Ersatzläufer war, hat dem Quartett vermutlich die Endlaufteilnahme gekostet. Doch immerhin konnte der dunkelhäutige Sprinter Erfahrungen sammeln. Für alle Fälle wärmte er sich mit auf, war immer zur Stelle und machte alles mit, was Tobias Unger und Co auch taten. "Ich freue mich total gegen meine Konkurrenten zu laufen", sagt Marius Broening und man sieht ihm an, dass er die Wahrheit sagt. Dazu muss man dem lockeren, symphatischen jungen Mann nur in seine funkelnden Augen sehen. Lockerheit bringt gute Zeiten. Das hat sich die die junge deutsche Sprintergarde von den US-Boys abgeschaut. Nicht alles so tierisch ernst nehmen und nicht verkrampfen, dann klappt das schon mit den guten Zeiten. Das wollen die Jungs auch am Samstag zeigen.

Einer vom gleichen Schlag ist der 21-Jährige Kamghe Gaba. Der hat sich auf 400 Meter spezialisiert mit Vorliebe für den Mehrkampf - und war auch in Athen dabei. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die 4 x 400 Meter Staffel ins Finale kam. Auch er hat große Ambitionen und hat sich von seinem früheren Job nicht abschrecken lassen. Der 2,02 Meter-Hüne aus Frankfurt hat Offset-Drucker gelernt und noch vor nicht allzu langer Zeit nachts gearbeitet, morgens geschlafen und mittags trainiert. Er gilt als großes Talent für die 400 Metern, ist schon 46,53 Sekunden gelaufen.

Doch nicht nur im Sprint tut sich etwas. Auch im Sprung wackeln die Wände. Egal ob im vertikalen oder im horizontalen Bereich - die jungen Athleten drängen nach vorne. Im Stabhochsprung gehört Fabian Schulze aus Kornwestheim inzwischen zur obersten Garde. Obwohl er auch erst 20 Jahre alt ist, hat er die renommierten Jungs im vergangenen Jahr ganz schön um ihre Olympiafahrkarten zittern lassen. Und nicht nur Hallen-Weltmeister Tim Lobinger aus Köln ist überzeugt, "dass man mit Fabian immer rechnen muss". Schulze absolviert im Augenblick seine Prüfungen zum Industrie-Elektroniker. Danach hat er den Kopf frei, für die großen Höhen. Schon 2004 überquerte er zwei Mals 5,70 Meter - eine Höhe bei der es langsam anfängt, interessant zu werden.

Seine beiden Weitsprungkollegen, Peter Rapp aus Tübingen und Christian Kaczmarek aus Berlin gehören ebenfalls zu der Kategorie "frisches Blut tut immer gut. Während Peter Rapp sich den Deutschen Hallenmeistertitel sicherte (7,98 Meter), wurde Kaczmarek Deutscher Juniorenmeister mit einem glatten Achtmetersprung. Der Schützling von Olympiateilnehmer Klaus Beer kam schon auf 8,11 Meter. Damit er bei Beer trainieren kann, ist der junge Mann, der ursprünglich aus Niedersachsen kommt, nach Berlin gezogen und versucht Fuß zu fassen. 8,11 Meter ist eine gute Referenz.

Ehrgeizige Ziele hat auch die Mannheimerin Nadine Hentschke, Vize-Europameisterin in der Klasse U23 über 100 Meter Hürden. Die blonde Athletin liebt ihre Hürden, aber hat auch große Ambitionen über die kurze Sprintstrecke ohne Hindernisse. Die tempramentvolle Sportlerin hat große Ambitionen auf gelegentliche Doppelstarts und die Spezialistinnen auch über 60 Meter ein wenig zu ärgern. Dabei ist die hochgewachsene junge Dame, die ein Grund-und Hauptschulstudium absolviert, am 27.Januar gerade erst 23 Jahre alt geworden. Allerdings sitzen schon die nächsten Mädchen in den Startblöcken - im wahrsten Sinne des Wortes. Steffi Lichtl von der TG Nürtingen, Dritte der Junioren-WM von 2004 will es ihrer um knapp vier Jahre älteren Konkurrentin so schwer als möglich zu machen - und auch gegen starke Hürdensprinterinnen wie der Spanierin Aliuska Lopez, Michelle Freemann (Jamaika) oder Patricia Girard aus Frankreich eine gute Figur machen.

Wie schnell das gehen kann, hat Tobias Unger bewiesen. Innerhalb eines Jahres katapultierte er sich vom hoffnungsvollen Talent in die Weltklasse. Man darf gespannt sein, wer der oder die Nächste ist. Denn nur die jungen Leute - die eine oder andere Überraschung und spannende Wettkämpfe können die Leichtathletik wieder nach oben bringen.

Ursula Kaiser

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